Wertbestimmung von Informationen | www.iBusiness-Intelligence.org

2.4.4. Wertbestimmung von Informationen

Die Wertbestimmung von Nachrichten und Informationen gehört heute zu den zentralen Aufgaben eines Managements. Durch die Digitalisierung der Kommunikation (E-Mail) und Digitalisierung der Betriebswirtschaft innerhalb eines Unternehmens bekommen die Angestellten, insbesondere das Management, immer mehr Informationen zugestellt. Die schnelle Beurteilung ihrer Relevanz gewinnt somit an Bedeutung. Eine solche Wertbestimmung ist jedoch methodisch nicht einfach zu gestalten (vgl. Lehner, 2012, S. 8, in Anlegung an Ahituv & Neumann, 1990, S. 44 ff. sowie Rauch, Strohmeier, Hiller, & Schlögl, 1994 und Kuhlen, 1995). Die Methoden für die Wertbestimmung können in drei Gruppen unterteilt werden:

Subjektive Wertbestimmung von Informationen Der Empfänger der Information wird befragt, wie viel ihm die Information wert ist. Das Verfahren eignet sich z. B. für unstrukturierte Probleme oder bei Ungewissheit.
Verwendung des beobachteten Wertes Vergleich des Ergebnisses eines Entscheidungsprozesses mit und ohne die entsprechende Information: Die Ergebnisdifferenz entspricht dem Wert der Information. Das Problem dabei sind zusätzliche Einflüsse, die nicht vorhersehbar sind und nicht ausgeschaltet werden können.
Bestimmung des normativen Wertes Vergleich des erwarteten Gewinns mit und ohne die entsprechende Information: Die Ergebnisdifferenz entspricht dem Wert der Information. (vgl. Alpar, Grob, Weimann, & Winter, 1998, S. 15 ff.)
Tabelle 4:Methoden für die Wertbestimmung von Information und Wissen18

Der Wert einer Information hängt stark vom Kontext ab (vgl. Lehner, 2012, S. 8). Dabei spielt nicht nur das Bedürfnis des Empfängers eine Rolle, sondern auch dessen Wissen. Ob eine Fragestellung und somit die empfangende Information verstanden und als relevant oder gar wertvoll bewertet werden kann, hängt vom Wissen des Empfängers ab. Der Empfänger benötigt dazu Meta-Wissen, also das Wissen über das Wissen bzw. über die empfangene Information (z. B. Kenntnis über den Absender und dessen Authentizität oder Kenntnis über den Aufbewahrungsort von Kontextwissen zur Information). (vgl. ebd. S. 63) Das Ergebnis von Entscheidungsprozessen wirkt zudem als Information weiter (vgl. ebd. S. 8) (z. B. die Beurteilung der Authentizität des Absenders oder die Beurteilung der Relevanz und des Wertes der empfangenen Information). Die Vernetzung von Informationen gewinnt also nicht nur in der Informationstechnologie an Bedeutung, sondern auch bei deren Nutzern.

Der Umgang mit der zunehmenden Informationsflut ist darum für den Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens entscheidend. Die Beurteilung der Qualität von Informationen und deren zugleich steigende Quantität stellen eine Herausforderung dar. Insbesondere die Entscheidungsträger sind davon betroffen, da sie besonders mit dem Problem der Diskrepanz zwischen Quantität und Qualität von Informationen konfrontiert sind. (vgl. Mertens & Wieczorrek, 2000, S. 11)

Da Informationen die wesentliche Voraussetzung für Entscheidungen und zweckgerichtetes Handeln sind, ist das Management besonders davon abhängig und deshalb oft auf der Suche nach Informationen (vgl. Lehner, 2012, S. 6). Durch die zunehmende Informationsflut und damit verbunden die gestiegene Bedeutung der Wertbestimmung fällt auf, dass «herkömmliche Ordnungs- und Orientierungssysteme immer mehr versagen. Die Kosten für Beschaffung, Analyse und Nutzung von Information übertreffen allmählich deren Wert. Diese Phänomene lassen sich nicht nur in den Unternehmen beobachten, sondern finden sich in gleicher Weise bei Konsumenten im privaten Bereich, in der Wissenschaft (Einzelergebnisse, die in keine Theorie integriert werden können) und in den Medien […]. Die Überinformation erzeugt ausserdem Stress und reduziert die Verständnisleistung. Darunter leiden in der Folge nicht nur die Arbeitsqualität sondern auch die Arbeitszufriedenheit (z. B. in Beziehungen zu Kollegen) sowie das Privatleben» (Ebd. S. 7 in Einbezug von Ernst, 1998 und Hecker, 1999). Neben dem sozialen Verhalten beeinflusst eine Informationsüberflutung und Informationsüberlastung auch das kognitive Verhalten eines Menschen. Es kann zu einer Verschlechterung des Urteilsvermögens sowie zur Reduktion der Fähigkeit, komplexe Sachverhalte zu erfassen, führen. Dazu kann durch die Daten- und Informationsfülle ein falscher Eindruck von Sicherheit entstehen. Die Betroffenen fühlen sich sicher, weil sie „viele Informationen“ zu etwas haben oder bekommen. Die Beurteilung der Relevanz und somit die Wertbestimmung der Informationen wird dabei oft ausser Acht gelassen. Bei einer Informationsüberforderung kann auch die individuelle Gedächtnisleistung abnehmen und soziale Anforderungen können vernachlässigt werden. Dies hat nicht nur Auswirkung auf die Arbeitsqualität, sondern auch auf die Zufriedenheit der betroffenen Personen. (vgl. ebd. S. 7 in Anlehnung an Ernst, 1998, S. 25)



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