Business Intelligence Umsetzung – Entstehung und Speicherung der Daten | www.iBusiness-Intelligence.org

3.2. BI-Umsetzung – Entstehung und Speicherung der Daten

Um mit Hilfe von Computerdaten Informationen für die Entscheidungsfindung gezielt aufzubereiten und darzustellen, müssen diese aus den verschiedenen operativen Systemen extrahiert und in ein einheitliches Computerdatensystem („Data Warehouse“) transformiert werden. Die Computerdaten werden aus ihren ursprünglichen, isolierten Zusammenhängen innerhalb ihrer Systeme herausgelöst und in einem einzelnen, einheitlichen System zusammengeführt. Der Prozess der Überführung der Computerdaten aus verschiedenen Quellsystemen (engl. „Source Systems“) in ein Data Warehouse System wird als ETL-Prozess (engl. Abkürzung für „Extract, transform and load“) oder teilweise auch als ELT-Prozess („Extract, load, transform“) bezeichnet. (vgl. Howson, 2008, S. 25)

Major components in the business intelligence life cycle, aus Howson, 2008, S. 25
Abbildung 24:«Major components in the business intelligence life cycle»35

Die gemeinsame Speicherung und Aufbereitung von Computerdaten aus unterschiedlichen operativen Systemen erlaubt den Einsatz von Analysesysteme und den Zugriff mittels BI-Tools und BI-Portalsystemen durch die unterschiedlichen Entscheidungsträgern. Dabei gilt es, auch das Wissensmanagement und seine technologische Abbildung mit einzubeziehen.

Integration von Content-Management-Systeme in das BI Lösungskonzept, aus Kemper, Baars, & Mehanna, 2010, S. 146
Abbildung 25:Integration von Content-Management-Systeme in das BI Lösungskonzept36

Die klassische Integrität von Wissensmanagementkonzepten in Business-Intelligence Ansätzen ist in der Praxis noch wenig verbreitet, findet aber in den letzten Jahren durch die zunehmende Digitalisierung der Kommunikation (Stichwort „Social Media“) nicht nur an Beachtung, sondern zunehmend an Bedeutung. Durch die Nutzung von unstrukturierten Computerdaten, wie z. B. E-Mails, Tweets oder Posts im Internet, kann ein Unternehmen wertvolle Rückschlüsse über die eigene Marke und die eigenen Tätigkeiten ziehen (In Anlehnung an Kemper, Mehanna, & Unger, 2006, S. 128, basierend auf Bange, Marr, Dahnken, Narr, & Vetter, 2004; Klesse, Melchert, & von Maur, 2003; Priebe, Pernul, & Krause, 2003; Becker, Knackstedt, & Serries, 2002).

«Business Intelligence als integrierter, IT-basierter Gesamtansatz kann gemäß der Definition lediglich unternehmensspezifisch konkretisiert werden. Selbstverständlich kann diese individuelle Ausgestaltung ausschließlich auf der Basis eines generischen Konzeptes erfolgen, das in Form eines Frameworks den Raum für die unternehmensindividuelle Gestaltung des jeweiligen BI-Ansatzes determiniert.» (Kemper, Baars, & Mehanna, 2010, S. 10).

Die nachfolgende Abbildung zeigt den Aufbau des BI-Ordnungsrahmen nach Kemper, Baars, & Mehanna - basierend auf Kemper, Mehanna, & Unger, 2006, S. 10 f. und  Kemper & Unger, 2002, S. 665 f.

BI-Ordnungsrahmen», aus Kemper, Baars, & Mehanna, 2010, S. 11, ergänzt durch den Autor mit Abbildung aus Kemper, Mehanna, & Unger, 2006, S. 10
Abbildung 26:«BI-Ordnungsrahmen» 37

Aus Sicht der Definition von Daten, Informationen und Wissen (vgl. Kapitel 2.4.2 „Daten, Informationen und Wissen“) können die eingesetzten Systeme in Unternehmen in ihrer zeitlichen Entwicklungsfolge dargestellt werden. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Entwicklung  des Management und der eingesetzten Systeme und gibt dabei die Weiterentwicklung vom Datenmanagement über das Informationsmanagement bis zum Wissensmanagements wieder. Zwischen den einzelnen Stufen existiert kein direkter hierarchischer Beziehungszusammenhang, sondern nur einen zeitlichen (vgl. Lehner, 2012, S. 4).

Stufen / Bezeichnung Systemart / Schwerpunkt
4 Wissensmanagement Organisational Memory Systeme (OMS), Wissensmanagementsysteme (WMS), Wiki-Systeme
3 Informationen als Ressource Informationsmanagement Advanced-Database-Technologien: Management Information System (MIS), Decision Support System (DSS), Executive Information System (EIS), Data Warehouse (DWH)
2 Datenmanagement Daten(bank)architektur von Unternehmen, unternehmensweite Datenmodellierung
1 Datenbankmanagement Datenbanksysteme und -Anwendungen, Data Dictionary, Datenbankmodellierung
0 Datei- und Datenorganisation Dateisysteme
Tabelle 6:«Entwicklungsstufen des Umgangs mit Daten, Informationen und Wissen in Unternehmen»38

Dieses Stufenmodell nach Lehner lehnt sich an die vier Entwicklungsstufen des Informatik-Einsatzes in Unternehmen von Jens Hanker an (Hanker, 1990, modifiziert übernommen aus ebd. S. 4):

Business Intelligence unterstützt Entscheidungsträgern auf allen Ebenen eines Unternehmens und umfasst somit alle vier Entwicklungsstufen, wobei sich BI insbesondere an das Management richtet und somit die Entwicklungsstufen 2-4 abdeckt. Business Intelligence Lösungen sind Führungssysteme, welche das Management eines Unternehmens bei deren Aufgaben unterstützt.

Übersicht der Technologien und Systeme für das Wissensmanagement, aus ehner, 2012, S. 247
Abbildung 27:«Übersicht der Technologien und Systeme für das Wissensmanagement»39

Im Unterschied zur Nutzung der operativen Systeme für die Unternehmenssteuerung stellt die Umsetzung von BI den Anwendern gezielt aufbereitete Daten in Form von Informationen zur Verfügung. Dabei beziehen sich die angebotenen Informationen auf deren Nutzung und nicht auf deren Entstehung.

Vom Applikationsschwerpunkt zum Themenschwerpunkt, aus Barisch, Die BIM Systemarchitektur, 2013, S. 10
Abbildung 28:Vom Applikationsschwerpunkt zum Themenschwerpunkt40



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