Das Unternehmen im iBusiness Modell /Multichannel Business Modell | www.iBusiness-Intelligence.org

4.3.2. Das Unternehmen

Im Unternehmen wird zwischen den Verkaufspunkten und Ihren Systemen (Frontsystemen) und den Backsystemen unterschieden. Die Verkaufspunkte stellen die Schnittmenge des Unternehmens mit dem Markt dar, bei welchem die Konsumenten materielle oder immaterielle Güter beziehen. Die Auslieferung der Güter und die damit erforderliche Ausführung der dafür notwendigen Geschäftsprozesse erfolgt danach mit Hilfe der Backsysteme eines Unternehmens.

Front- und Backsysteme eines Unternehmens
Abbildung 68:Front- und Backsysteme eines Unternehmens

Damit das Internet im Modell auch auf Unternehmensseite berücksichtigt werden kann, werden die Verkaufspunkte in Offline und Online unterteilt. Die Online-Systeme werden dabei nochmals in zwei Schichten unterteilt. Dies auf Grund der mehrschichtigen Architektur von Websystemen (vgl. Ausgangslage). Die Ausführung eines Websystems erfolgt immer in einem Fremdsystem, dem „Frontend“. Dies kann zum einen der Browser bei Websites sein sowie native Applikationen, welche vornehmlich bei mobilen Geräten eingesetzt werden (dem Smartphone oder Tablet). Im Modell wird das drei- oder mehrschichtige System eines Websystems, wie einer Website oder eines Webshops, in nur zwei Schichten unterteil. Dabei wird die Steuerungsschicht und die Datenhaltungsschicht (vgl. Abbildung 3) zu einer Schicht, dem Backend, vereint. Zusammen mit der Benutzeroberfläche bilden sie das eigentliche Websystem. Das steuernde System, das Backend, kann dabei aus einem System, wie z. B. einem Content Management System (CMS) oder einem Webshop-System, oder aus mehreren Systemen bestehen. Werden mehrere Systeme eingesetzt, wie beispielsweise ein CMS, ein Produkt Informations- & Medien-System und einem Shopping-System, so erfolgt die Ausführung aus Sicht der Konsumenten trotzdem nur in einem Fremdsystem, dem Browser.

Native Applikationen („Native Apps“) für (mobile) Hardware-Geräte können in zwei Gruppen unterschiedenen werden. Die meisten Native Apps beinhalten ihre Steuerung und Grunddaten in der Applikation und stellen dadurch Siloapplikationen dar. Zwar werden dabei oft Daten aus anderen Systemen, wie dem Backend des Websystems, bezogen (z. B. die Produkte und Produktinformationen). Die gesamte Steuerung und somit Logik der Applikation ist jedoch fixer Bestandteil der nativen Applikation, welche die Konsumenten selbstständig auf ihrer Hardware installiert. Dabei ist insbesondere zu beachten, dass Native Apps auf Hardware laufen, die durch das Unternehmen selber nicht betreut und gesteuert werden kann. Die Veröffentlichung einer neuen Version der Applikation, z. B. wegen Fehlern in der Applikation, ist darum sehr abhängig vom Hersteller des Hardwarebetriebssystems sowie den Benutzern der Applikation, den Konsumenten. Durch die verschiedenen Hersteller der Betriebssysteme, zurzeit insbesondere Apple, Google und Microsoft, muss die Applikation entsprechend immer für verschiedene Betriebssysteme erstellt und betreut werden. Jede Änderung und damit verbunden Neuveröffentlichung (Update) muss für alle Betriebssysteme einzeln erfolgen. Deshalb werden hybride native Applikationen immer beliebter. Im Gegensatz zu normalen nativen Applikationen beziehen sie den grossen Teil ihrer Inhalte von einem Zweitsystem. Dies kann so weit gehen, dass die native Applikation nur noch die Benutzeroberfläche darstellt, die Auslieferung aller Inhalte sowie die gesamte logische Steuerung jedoch durch das Zweitsystem geschieht.

Abstrahierte Systemlandschaft eines Unternehmens
Abbildung 69:Abstrahierte Systemlandschaft eines Unternehmens

Die Website und das Websystem bilden zusammen mit den nativen Applikationen die Online-Systeme eines Unternehmens. Im Modell stellen die beiden Online-Benutzungsoberflächen, „Browser“ (Website) und „Native Apps“, die Online Verkaufspunkte dar. Daraus ergibt sich auch die Unterscheidung zwischen einem Webshop und einem Online-Shop. Ein Webshop setzt als Benutzeroberfläche ein Browser voraus, während ein Online-Shop das gesamte Online-System eines Unternehmens bezeichnet, die Benutzungsoberfläche offen lässt und somit nur die Nutzung des Internets voraussetzt. Ein Online-System kann auch Inhalte anderen Systemen, innerhalb und ausserhalb des Unternehmens, zur Verfügung stellen. Dafür werden diese entsprechend ans Backend des Online-Systems angeschlossen. Dies kann z. B. die Bereitstellung des eigenen Angebots in einer fremden Website sein (vgl. z. B. widgets.amazon.de).

Neben den Online-Systemen der Verkaufspunkte gibt es die Offline-Verkaufspunkte und ihre Systeme. Im Modell ist ein Handelsunternehmen mit einer stationären Verkaufsstelle (stationärem „Point of Sale“, POS) eingezeichnet. Das dafür verwendete System kann ein eigenständiges System mit Anbindung an die Backsysteme, wie aber auch nur eine Benutzeroberfläche eines Backsystems, z. B. des ERP-Systems, sein. Die Offline-Verkaufspunkte können beliebig erweitert werden, vorausgesetzt sie nutzen ein eigenes System oder ein Teil eines Systems (z. B. eine alternative Benutzeroberfläche).

Im Modell sind die Frontsysteme mit den Backsystemen verbunden. Bei den eingezeichneten Verbindungen handelt es sich um System-Verbindungen, über welche Daten zwischen den Systemen ausgetauscht werden.

Im Modell werden alle durch die Konsumenten tangierten Systeme, innerhalb wie ausserhalb des Unternehmens, bewusst nur sehr abstrakt wieder gegeben. Besonders innerhalb des Unternehmens ist die Systemlandschaft sehr individuell und dadurch von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Das Modell hat nicht den Anspruch, die Realität im Detail darzustellen, sondern will durch die Strukturierung eine Übersicht bieten sowie die verschiedenen Elemente bzw. Systeme in Bezug auf den Kontakt zwischen dem Unternehmen und dem Konsumenten-Markt wiedergeben. Das Modell lässt sich für ein Unternehmen im Detail ausgestalten, ist jedoch nicht als Teil eines EAM-Modells vorgesehen und darauf ausgerichtet. Die Systeme für die Ausführung der Wertschöpfungskette sind darum im Modell als Backsysteme zusammengefasst. Bei einem Handelsunternehmen ist oftmals ein „Enterprise Resourcing Planning System“ (ERP) das zentrale System, über welches der grösste Teil des Wertschöpfungsmanagements abläuft und mit weiteren Systemen ergänzt wird (vgl. Anhang N).

Abstrahierte Systemlandsachft eines Unternehmens mit drei Schichten
Abbildung 70:Abstrahierte Systemlandschaft eines Unternehmens mit drei Schichten

Das Modell unterscheidet innerhalb des Unternehmens zwischen drei Schichten. Der Frontend-Schicht, der (Web) Backend-Schicht und der Backsysteme-Schicht. Wird das Modell für ein Unternehmen ausformuliert und alle tatsächlich verwendeten Systeme eingezeichnet, ist dies aus Sicht der Konsumenten-Unternehmens-Prozesse zu geschehen. Der Backend-Schicht werden alle Web-Systeme zugeordnet, welche einen direkten Einfluss auf die Frontend-Schicht aufweisen und dabei inhaltlich und systemisch zusammengehören.



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